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Augsburger Allgemeine vom 30.01.2017

Augsburg Journal 07 2017

Augsburg Journal – Juli 2017


Bezauberndes Debüt als künftige Clowns
Werkschau der „Absolventen“ der Clownschule Antiheldenakademie

Von Gerlinde Knoller

Elf Clowns-Anwärter zeigten bei einer Werkschau im Kulturpark-West
die ganze Palette ihrer Gefühlswelt.
Foto: Annette Zoepf

Ein Clown muss kein Held sein. Er purzelt über die kleinen Dinge des Alltags, kann aus ganzem Herzen staunen, aus dem Nichts wunderbare Geschichten entwickeln, lachen und weinen zugleich – und Menschen zutiefst damit anrühren und zum Lachen bringen. Clowns sind also doch Helden. Gezeigt haben dies elf angehende Clowns bei einer Werkschau im Kulturpark West, mit der sie ihre Clownsausbildung an der Clownschule „Antiheldenakademie“ abgeschlossen haben. Von April dieses Jahres an haben sie an sechs Wochenenden von den Clownprofis und Ausbildern Miriam Brenner, Markus Sedelmaier und This Zogg die Clownskunst erlernt. Als „elf wahnsinnig mutige Menschen“ wurden sie dem Publikum vorgestellt.
Es folgten 80 Minuten, die im Fluge vergingen und die Zuschauer, ob Groß, ob Klein, verzauberten. Man mochte gar nicht glauben, dass die Clownschüler erst ihr Debüt gaben, so perfekt war ihre Show. Szene an Szene reihten sie aneinander, mal als Gruppe, mal zu zweit oder allein agierend und dabei Elemente der Clownerie, der Schauspielerei und Musik vereinend. Was war das doch für ein uriges Orchester, das die Truppe gleich zu Beginn gab. Vielstimmig wurde lautmalerisch getrötet, gehupt, geklingelt – herrliches Chaos!
Nicht alle Clownsnummern lassen sich an dieser Stelle nennen, auch wenn es jede einzelne verdient hätte. Deshalb nur ein paar Beispiele: Da waren diese beiden Clowns, die
abwechselnd einen großen Koffer öffneten und fasziniert hineinblicken. Seltsam nur, dass der eine beim Anblick dessen, was er sah, unendlich staunte – seine Clownspartnerin jedoch furchtbar erschrak. Der Koffer wurde auf den Kopf gestellt, dasselbe Spiel: Jetzt heulte der eine herzzerreißend, als er hineinsah, seine Partnerin hingegen kriegte sich nicht mehr ein vor Lachen.
Bezaubernd an all diesen Nummern war, wie wenig die Clowns außer ihrer eigenen Ausdrucksfähigkeit brauchten, um beim Publikum Bilder und Geschichten im Kopf entstehen zu lassen. Auch wenn keine einzige Requisite da war, sah man sie: die drei Angler, wie sie einer nach dem anderen, erst eine kleine, dann eine mittlere, dann eine riesige Angel auswarfen, um je einen Fisch zu fangen. Man sah es, wie winzig der kleinste Fisch war, der an der größten Angel hing. Der zweite Fisch, an der mittelgroßen Angel, war schon etwas größer. Und schließlich, wie konnte es anders sein: Der Fischer mit der kleinsten Angel hievte einen um sich schlagenden Riesenfisch an Land, den die drei Angler zusammen nur mit höchstem Körpereinsatz bezwangen und auf den Schultern davontrugen.
Es wurde auch immer wieder mal poetisch: Bezaubernd, wie eine Clownin, ganz selbstvergessen, sich aus bunten Seidentüchern ein Ballettröckchen in die Hose steckte, ein weites Tuch noch um die Schultern, und geschmeidig wie eine Primaballerina zu Solveigs Lied von Edvard Grieg tanzte. Köstlich auch die beiden Damen, die sich an der Bushaltestelle einen ungleichen Kampf boten, wer denn lässiger seinen Schal um den Hals werfen konnte – die mit dem dicken Flausche-Schal oder die mit dem mickerigen Schalbändchen. Solche Gegensätze und die Kunst, aus quasi Nichts etwas zu machen, machte den Reiz dieser Clownerie aus. Verdient war dieser erste, und gewiss nicht letzte kräftige Applaus für diese neuen Clownshelden.

Augsburger Allgemeine – 23.11.2017


Clowns zum Schieflachen und Träumen

In der Antiheldenakademie lernen Clowns, wie sie andere Menschen dazu bringen, sich kringelig zu lachen. In der Rudolf-Steiner-Schule zeigten sie in einer Werkschau, was sie können.
In der Antiheldenakademie lernen Clowns, wie sie andere Menschen dazu bringen, sich kringelig zu lachen. In der Rudolf-Steiner-Schule zeigten sie in einer Werkschau, was sie können.
Bild: Annette Zoepf

Kunterbunte Werkschau einer Spezialschule im Textilviertel

Von  Gerlinde Knoller

In jedem von uns steckt ein Clown. Es ist ein innerer Clown, der das Leben von der humorvollen Seite nimmt, auch wenn es seine Tücken hat. Der es wagt, auch einmal zu stolpern, zu scheitern und dabei seine tiefen Gefühle zu zeigen. Auf die Bühne der Rudolf-Steiner-Schule haben sich jetzt 14 frisch gebackene Clowns gewagt. In einer Werkschau zeigten sie, was sie im Clown-Grundkurs der Antiheldenakademie, einer Augsburger Schule für Clowns, die vergangenen Monate gelernt haben. Das war eine ganze Menge! Kunterbunt, zum Schieflachen und auch zum Träumen war das eineinhalbstündige Programm im voll besetzten Saal. Gelernt haben die Clowns ihr Grundhandwerk an acht Wochenenden mit ihren Dozenten, die selbst professionelle Clowns sind: Markus Sedelmaier, Miriam Brenner und This Zogg.

Schlag auf Schlag, perfekt aufeinander abgestimmt, reihte sich Nummer an Nummer, mal von Clowns in der Gruppe, mal zu dritt oder nur zu zweit. Anrührend etwa die Szene, als sich ein Mann schüchtern zwischen zwei Damen auf eine Parkbank setzt. Nur durch ihre Blicke, ihre Haltungen baut sich Spannung auf, ein zärtliches Anbandeln mal zwischen den einen beiden, mal zwischen den anderen beiden.

Diese Szene zeigte beispielhaft, dass das Clowneske nicht vieler Worte bedarf, sondern vom körperlichen Ausdruck lebt, den kleinen, behutsamen Zeichen und den ins Gesicht geschriebenen Emotionen. Herrlich der Kampf mit den Tücken des Alltags: Da klebt eine Plastikflasche plötzlich an der Hand einer Clownin fest, oder ein Koffer kann selbst vom stärksten Mann nicht angehoben werden, mag er auch noch so engagiert seine Ärmel hochgekrempelt haben. Das so Vergnügliche an diesen Geschichten ist meist ihr paradoxer Schluss. Der Mann braucht etwa nur auf die andere Seite des Koffers zu gehen, dann wird er federleicht.

Bezaubernd bei diesem Spiel der Clowns war, dass hier sichtbar jeder mit dem aus sich herausgehen konnte, das ihm liegt. So zeigte sich jeder mit seinen ganz eigenen Stärken: Da ist die Clownin, die immer wieder Cha-Cha-Cha tanzend auf die Bühne tritt, fröhlich, leicht – und die auch mal ihren etwas schwerfälligen und deshalb urkomischen Tanzpartner gnadenlos munter über die Bühne schiebt. Es braucht nur ein Seil, einen Stuhl und ein Paar Kurzskier für eine Wasserski-Szene, bei dem eine Motorboot-Kapitänin ihren Wasserskifahrer am Seil – wie kann es anders sein? – verliert. Der taucht ein in die imaginären Fluten, wird mitgerissen, taucht irgendwo hinter einer schwarzen Wellenwand wieder auf und wird kurzerhand mit dem Lasso wieder eingefangen. Wunderschön leise, poetisch kommen die Playback-Nummern daher, bei denen die Clowns nur in ihrer Haltung, in ihren Gesten und Gefühlen den Songs einen noch tieferen, persönlichen Ausdruck verliehen. Da ist etwa der berühmte Titel „Oh mein Papa“, zu dem sich dann auch noch vier Hintergrundsänger, wie ein Leporello aneinandergeklebt, auf die Bühne schieben. Es erfreuen die Running Gags, etwa der Clown mit dem Laubsauger, der alles von der Bühne saugt, was dort lose rumliegt. Oder der protzige Muskelmann im Glitzerhemdchen, der mit einem lauten „Hu! Ha!“ die Sensationsnummer ankündigt, die dann doch recht mickrig ausfällt – seine Assistentin steigt einfach auf einen Stuhl. Welch ein Kunststück!

Ein wunderbarer Nachmittag, der dem Publikum mehr als ein Lächeln auf die Gesichter zauberte.

Augsburger Allgemeine vom 28.11.2019


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